Der Familienname Assenmacher ist aus dem gleichlautenden Beinamen als Berufsbezeichnung entstanden. Assenmacher bedeutet "Achsenmacher". "Asse(n)mecher" ist die rheinische Bezeichnung für einen Stellmacher. [2] Andere regionale Varianten für diese Berufsbezeichnung sind u.a. Wagenmaker, Wagner, Radmaker oder Rädermacher. [3]
Die unterschiedlichen Bezeichnungen erklären sich neben mundartlichen Varianten möglicherweise dadurch, daß in bestimmten Regionen die Bauern den ganzen Wagen selbst herstellten oder lediglich die schwierigsten Teile von Spezialisten anfertigen ließen. [4] Auf diesen Brauch dürfte auch die Berufsbezeichnung "Assenmacher" zurückgehen. Der "Assenmacher" war demnach der Handwerker, der die Achsen für einen Wagen herstellte. Allerdings wurde der Begriff "Achse" früher möglicherweise auch im Sinne von "Wagen" verwendet, wie die Redewendung "auf Achse sein" im Sinne von " umherziehen, unterwegs sein" nahelegt. [5] Das Wort "Achse" ist mit "Achsel" verwandt und leitet sich vom indogermanischen Wortstamm *ages- (Achsel, Achse) ab. Es bezeichnet ursprünglich den "Drehpunkt (der geschwungenen Arme)" oder die "Schulter samt den geschwungenen Armen". Als die Indogermanen den Wagenbau kennenlernten, übertrugen sie das Wort. Es wurde nun auch zur Bezeichnung für den Wagenteil Achse, genauer für das Ende der Achse als "Drehpunkt der den Wagen vorwärtstreibenden Räder". [6] Über althochdeutsch "ahsa", mittelhochdeutsch "ahse" entsteht neuhochdeutsch "Achse". Der im Familiennamen "Assenmacher" erhaltene Lautstand "asse" für neuhochdeutsch "Achse" entspricht der mittelniederdeutschen Form.
Der zweite Namensbestandteil "-mecher" ist gleichbedeutend mit neuhochdeutsch "-macher". Im Mittelhochdeutschen sind beide Varianten belegt und üblich. [7] Die Belege des Mittelalters und der frühen Neuzeit (s.u.) weisen alle den Lautstand "-mecher" auf. Wann der Wechsel zur heute üblichen Schreibweise "-macher" erfolgte, ist derzeit aufgrund der spärlichen Quellenlage noch nicht klärbar.
Der erste Beleg für den Lautstand "Assenmacher" stammt aus Köln vom 06.06.1746: "Anna Urhan, Wwe Johann Assenmacher" [8] . Der Name Assenmacher ist als Beiname im Rheinland seit dem 14. Jahrhundert belegt.
Nicht präzise klärbar ist aufgrund der spärlichen Quellenlage, wann der Name als Familienname auftrat, also vererblich wurde. Der erste Beleg stammt aus dem Jahr 1346: Henrich der assinmecher van bunne [9] (Henrich der Assenmacher aus Bonn). Die Verwendung des Artikels "der" legt nahe, daß der Name hier noch als Berufsbezeichnung, somit als Beinamen verwendet wird. Aus dem gleichen Jahr stammt der Beleg henricus assinmecher [10] . Nicht klärbar ist, ob es sich hierbei um ein und dieselbe Person handelt. Auch die Belege von 1363 und 1391 weisen den Vornamen Heinrich auf. 1346 Henrich der assinmecher van bunne [11] 1346 henricus assinmecher [12] 1363 Henricus dictus Ayssinmecher [13] (Heinrich, genannt Assenmacher) 1391 Henrici dicti Assemecher [14] nach 1450 Greta Assenmechers [15] 1597 Heinrich Assenmecher [16] 09.12.1625 Caspar Assemecher [17]o. J. Gorgen Assenmecher [18] 06.06.1746 Anna Urhan, Wwe Johann Assenmacher [19]
Literaturverzeichnis
Bickel, Hartmut: Beinamen und Familiennamen des 12. bis 16. Jahrhunderts im Bonner Raum. Bonn 1978. (Phil. Diss. Bonn 1976.) = Rheinisches Archiv 106.
Burfeid, Josef: Suaventhorp. Suavedorp. Schwadorf. Zwesche Dreesch un Fläch. o.O. 1993.
Duden. Etymologie. Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache. Bearbeitet von Günther Drosdowski, Paul Grebe und weiteren Mitarbeitern der Dudenredaktion. In Fortführung der "Etymologie der neuhochdeutschen Sprache" von Konrad Duden. Mannheim, Wien, Zürich: Bibliographisches Institut 1963. = Duden Bd. 7.
König, Werner: dtv-Atlas zur deutschen Sprache. Tafeln und Texte. München 8 1991. = dtv 3025.
Lexer, Matthias: Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch. Stuttgart: Hirzel, 341974. 4
[2] Bickel 1978, 238.
[3] König, 194f.
[4] König, 195.
[5] Duden. Etymologie. 11.
[6] Duden. Etymologie. 11.
[7] Lexer 1974, 132.
[8] R.Nr.1081. Zit. in: Burfeid 1993, 24.
[9] Hist. Archiv d. Stadt Köln, Karthäuser, Urkunden, a. 1338 - a. 1576, 17a. Zit. nach: Bickel 1978, 238.
[10] Kopiar, 15. Jh., Hist. Arch. d. Stadt Köln, Karthäuser, Zinsregister, 15. Jh, Repertitorium 1. Zit. nach: Bickel 1978, 238.
[11] Hist. Archiv d. Stadt Köln, Karthäuser, Urkunden, a. 1338 - a. 1576, 17a. Zit. nach: Bickel 1978, 238.
[12] Kopiar, 15. Jh., Hist. Arch. d. Stadt Köln, Karthäuser, Zinsregister, 15. Jh, Repertitorium 1. Zit. nach: Bickel 1978, 238.
[13] Hauptstaatsarchiv Düsseldorf, St. Cassius Bonn, Urkunden, a. 1142 - a. 1576, 173. Zit nach: Bickel 1978, 238.
[14] Hist. Archiv d. Stadt Köln, Karthäuser, Urkunden, a. 1338 - a. 1578, 157. Zit. nach: Bickel 1978, 238.
[15] Hist. Archiv d. Stadt Köln, Pfarrarchiv von St. Maria im Kapitol, Zinsregister, a. 1450 - a. 1624, Akte 22, Signatur AII, 22. Zit. nach: Bickel 1978, 238.
[16] Stadtarchiv Bonn, Contractenprotokolle, (IV) a. 1594 - a. 1604. Zit. nach: Bickel 1978, 238.
[17] Schwadorfer Severins-Gericht, R.Nr.833. Zit in: Burfeid 1993, 19.
[18] Bonner Geschichtsblätter 5, S. 30 (Regest). Zit. nach: Bickel 1978, 238.
19] R.Nr.1081. Zit in: Burfeid 1993, 24.